Positionspapier des BVMI zur Kulturflatrate – 50€/proMonat?!

Laut dem Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI) Stefan Michalk wäre eine Einführung der Kulturflatrate “eine Kapitulation vor der Komplexität des Urheberrechts in der digitalen Welt”. Unter der Überschrift “Musikindustrie kämpft gegen Kultur-Zwangsabgabe” finden sich in der Welt und inzwischen auch andernortens Artikel die so manches verdrehen und Aussagen von Michalk als Fakten hinstellen, obwohl wenig bis nichts davon so feststeht bzw. so geplant ist.

Anlass für Michalks Aussagen ist die Veröffentlichung eines Positionspapier des BVMI zur Kulturflatrate in dem 10 Punkte zusammengestellt wurden die dagegen sprechen – in meinen Augen ist davon aber einer schwachsinniger als der andere.  Ich möchte jedem nahelegen sich die Widerlegung jedes einzelnen Punktes hier bei Gulli-News durchzulesen!
Aber ich möchte der Geschichte noch etwas hinzufügen. Wann immer die Frage nach den Kosten der Kulturflatrate kommt fällt die Zahl 50€/Bürger/Monat.
Ich habe mir das mal etwas genauer angeschaut und dabei herausgefunden dass diese Berechnung vollkommener Unsinn ist:

Woher kommt diese Zahl überhaupt?

Nun, die hat das Justizministerium netterweise für uns geschätzt.
Das Justizministerium? Ja, das sind mit Sicherheit die fachlich Versiertesten in diesem Bereich. Wer so ein tiefes Verständniss unserer Grundrechte hat, der wird ja wohl mit wirtschaftlichen Berechnungen kein Problem haben.

Einfach nur zur Sicherheit (wird ja heute großgeschrieben!) wollen wir das doch einfach mal nachrechnen:
Nehmen wir mal als Grundlage die Gesamtzahl der Haushalte mit Internetanschluss 2008, ca 30 Millionen.

30 Millionen * 12 Monate * 50€ = 18 Milliarden EURO theoretische Jahreseinnahmen durch die Kulturflatrate.

EDIT:

Ich wurde darauf hingewiesen dass ich einen wichtigen Punkt außer acht gelassen habe: 50€/Monat gelten nicht nur für Musik sondern auch für Filme, Bücher und Fernsehen. Ich bitte meinen vorherige falsche Kalkulation zu entschuldigen. Ich habe sie im Folgenden korrigiert.

Jetzt wird klar wie die Rechnung des Justizministeriums aussah.

Kino & DVD-Umsatz 2008 = 2,9Milliarden
Buchhandel Umsatz 2008 = 9,6 Milliarden
Nettwowerbemarkt 2009 = 4 Milliarden
Tonträgerumsatz 2008 = 1,5 Milliarden

Macht zusammen die erstaunliche Summe von exakt 18 Milliarden Euro. Ok, die Zahlen fügen sich nun zusammen, mehr Sinn macht das Ganze dadurch aber nicht.

Das Justizministerium geht also allen Ernstes davon aus, dass bei Einführung einer Kulturflat automatisch TV-, Kino-, DVD und (mein Favorit) der Buchmarkt vollständig kollabieren und sich in NICHTS auflösen werden.
Keiner kauft mehr Bücher, keiner geht mehr ins Kino oder schaltet den Fernseher ein..  nur weil es das ja alles auch im Internet gibt (äh.. gibts das nicht jetzt schon?)

Und auf dieser Basis wird das gesamte Thema diskutiert! Und so kommen dann hochintelligente Sätze wie dieser hier Zustande:

“Ob eine Kultur-Flatrate, die geschätzt bei 50 Euro liegen müsste, mit unserer Verfassung kompatibel wäre, scheint mir fraglich. Auch Menschen mit geringem Einkommen müssen die Möglichkeit haben, an Informationen zu kommen und etwa 70 Euro im Monat ist da wohl zu hoch.”

Richtig Frau Zypries. Das ist wohl zu hoch, und eine von ihrem (ehemaligen) Ministerium ohne jeglichen Sachverstand und Sinn für die Realität herbeigerechnete Zahl.

Mir persönlich stellt sich jetzt nur die Frage:
Geschah das aus Dummheit oder war es Mutwille?

1 Comment

  1. Ghandy says:

    Danke für nette Erwähnung!

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